die neue Richling-Show über den Missbrach in Deutschland ist ebenso zukunftsweisend wie vergangenheitsbewältigend: unser reales Leben und sein virtuelles, vielfach verschlüsseltes Abbild. das sich aus vielen Daten-Pixel zusammensetzt, sind ebenso Thema des brandaktuellen neuesten Programms wie Gentechnik, Umwelt-Desaster, Bankenkrise und natürlich das gesamte Führungs-Personal des Deutschland-Konzerns (besonders delikat, um nur ein Beispiel zu nennen: Rainer Brüderle im Interview mit dem chinesischen Reporter!). Regie führt wie immer der Autor und SWR-Moderator Günter Verdin. Richling, der von vielen Kritikern als der bester Parodist der deutschen Kabarett-Szene gefeiert wird, bringt seine jüngsten Beobachtungen wie immer in literarisch anspruchsvolle Form (über seine Texte gibt es bereits Magister- und Doktorarbeiten). Niemand aus Politik und Show bleibt verschont. Sie sollten nicht versäumen, die Qualität der völlig neuen Richling-Parodien (von Angela Merkel über Winfried Kretschmann bis Helmut Schmidt) live zu überprüfen.
Wir sehen uns!
Natürlich sollen Sie bei uns nicht die Katze im Sack kaufen!
Hier ein kurzer Ausschnitt aus dem aktuellen Bühnenprogramm:
(weitere Videos sind in Arbeit: besuchen Sie uns bald wieder!)
Videomitschnitt: Dezember 2010, Berliner „Wühlmäuse“.
Der Richling Code
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Seine Methode ist die eines Schauspielers: Er analysiert den Sprachtyp, den Sprechakt, die Mechanik der Phrasendreschmaschine. Was sind die Motive des Sprechenden? Was verbirgt er? Der Parodist Richling legt Persönlichkeitsmuster am offenen Herzen frei. Zu diesem Thema gibt es einen tollen Film über den berühmten Theo Lingen. In einer Szene parodiert Lambert Hamel Theo Lingen. Die beiden sind von der Anlage ähnlich weit auseinander wie etwa Richling und Kohl oder Richling und Alice Schwarzer. Lambert Hamel, ohne Maske, ohne Klamotte war in diesem Theo Lingen. Der Schauspieler Lambert Hamel musste irgendwann Theo Lingen durch seinen internen Nacktscanner geschickt haben. Diese Parodien, wer kennt sie nicht. Sie verstehen sich ja nicht als Draufgabe aus einem Fan-Shop, nach einem Bühnenprogramm oder zwischendrin als Häppchen in einer Sendung. Diese Parodien sind eigentlich Kurzformen des Richlingsystems, sie sind sowas wie seine Arien in seiner 90minütigen Opera Curiosa. Denn sie exemplifizieren seine Methode: Mache dir das Denken deines Objekts zu Eigen, isoliere es, Copy and Paiste die Maximen ihrer Substanz nach und jage sie durch alle möglichen Loops des figurierenden Wahnsinns bis zu seinem `Denial of System´, Breakdown, Sprachkollaps. Jeder Parodierte bei Richling führt sich am Ende selbst ab. Gefesselt in den Denkschleifen seines eigenen Denkens. Michael Wüst; 2011 |

Fotos: © Raphael Krötz